#DIKLUSION
Digitale Medien und Inklusion zusammendenken
Digitalisierung und Inklusion sind keine getrennten Baustellen: Zusammengedacht stützen sie sich gegenseitig. Unter dem Leitbegriff #Diklusion (nach Dr. Lea Schulz) zeigen wir, wie digitale Medien Lernbarrieren abbauen und Unterricht für alle öffnen.
Von der gemeinsamen Haltung über Differenzierung, Sprache und assistive Werkzeuge bis zur digitalen Teilhabe in der Berufsvorbereitung.
Themenschwerpunkte
1. Diklusion verstehen: Haltung & das 5-Ebenen-Modell
Workshop 1A:
Mehr als ein Hashtag – was Diklusion wirklich meint
Inklusion und Digitalisierung – für viele Kollegien sind das zwei Großbaustellen, die gleichzeitig Kraft kosten und sich gegenseitig im Weg zu stehen scheinen. Inklusion gilt als Mehraufwand, Digitalisierung als weitere Anforderung obendrauf. Doch getrennt gedacht überfordern beide – zusammengedacht stützen sie sich.
Im Workshop: Dieser Impuls führt in den Grundgedanken der Diklusion ein: die Verbindung von digitalen Medien und Inklusion zu einem didaktischen Prinzip. Statt Tool-Listen steht die Leitfrage davor im Zentrum – wie gestalte ich Lernen so, dass alle einen Zugang finden, unabhängig von Lernstand, Sprache oder Sinneskanal? An greifbaren Beispielen wird sichtbar, dass gute digitale Differenzierung nicht nur „den Schwachen“ hilft, sondern den Unterricht für alle öffnet. Es geht um eine Haltung, nicht um Technik: Vielfalt ist nicht der Sonderfall, sondern der Normalfall.
Ihr Gewinn: Ihr Kollegium gewinnt einen gemeinsamen, entlastenden Ausgangspunkt – Inklusion nicht länger als Zusatzlast, sondern als Qualität, die digitale Werkzeuge erreichbar machen. So entsteht das Fundament, auf dem jede konkrete Diklusions-Fortbildung erst trägt.
Workshop 1B:
Die Landkarte der Diklusion – das 5-Ebenen-Modell als Kompass
Wer diklusiv arbeiten will, ertrinkt schnell im App-Zoo: hier ein Tool, dort eine Funktion, jede für sich sinnvoll, aber ohne System. Ohne Landkarte bleibt unklar, welchem Zweck ein Werkzeug eigentlich dient – und ob am Ende die ohnehin Starken profitieren oder die, die es wirklich brauchen.
Im Workshop: Die Lehrkräfte lernen das 5-Ebenen-Modell von Lea Schulz als Orientierungsraster kennen und ordnen ihre eigene Praxis hinein: Medien als assistive Brücke (Lernen durch Medien), zur individuellen Förderung (Lernen mit Medien), zur Zusammenarbeit in der Gruppe, zur Entlastung der Lehrkraft (Lehren mit Medien) und als Gegenstand kritischer Medienbildung (Lernen über Medien). An eigenen Unterrichtsbeispielen verorten sie, wo sie schon stark sind und wo Lücken klaffen. So wird das Modell vom Schaubild zum Planungswerkzeug.
Ihr Gewinn: Ihre Lehrkräfte erhalten einen Kompass, der den Tool-Einsatz vom Zufall zur Entscheidung macht. Statt einzelner Apps planen sie diklusiven Unterricht systematisch – und erkennen selbst, welche Ebene bei ihnen noch unterbelichtet ist.
2. Differenzierung & Sprache: der passende Zugang für alle
Workshop 2A:
Ein Blatt für alle? – Differenzierung, die niemanden zurücklässt
In jeder Lerngruppe sitzen Jugendliche mit weit auseinanderliegenden Voraussetzungen – und trotzdem bekommen am Ende alle dasselbe Arbeitsblatt. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus schlichter Zeitnot: Drei Niveaustufen, sprachliche Varianten und Lesehilfen für eine einzige Stunde baut im Schulalltag niemand nebenbei. So wird aus fehlender Zeit unbeabsichtigter Ausschluss.
Im Workshop: Die Lehrkräfte erarbeiten, wie sich gestufte Aufgaben, vereinfachte Fassungen, Hilfekarten und Erweiterungen mit KI-Werkzeugen in Minuten statt Stunden erzeugen lassen – von der Förderung bis zur Spitze. Im Mittelpunkt steht nicht das Tool, sondern die Frage davor: Was soll variiert werden – Anforderung, Sprache, Umfang oder Zugang? Die KI erleichtert die Umsetzung; die pädagogische Diagnose, wer was braucht, bleibt bei der Lehrkraft.
Ihr Gewinn: Aus dem Einheitsblatt wird passgenauer Zugang – und Differenzierung hört auf, eine Frage von Zeit und gutem Willen zu sein. Ihre Lehrkräfte erreichen die Jugendlichen, die sonst stillschweigend abgehängt werden, ohne ihre Vorbereitungszeit zu vervielfachen.
Workshop 2B:
Wenn Sprache zur Hürde wird – leicht, einfach, verständlich
Viele Aufgaben scheitern nicht am Inhalt, sondern am Satzbau: verschachtelte Aufgabenstellungen, Fachwörter ohne Erklärung, Texte, die mehr verbergen als zeigen. Für Jugendliche mit Leseschwäche, in der Zweitsprache oder mit kognitiven Beeinträchtigungen wird so jede Aufgabe zur Sprachprüfung – bevor das eigentliche Lernen überhaupt beginnt.
Im Workshop: Die Lehrkräfte lernen den Unterschied zwischen Leichter und Einfacher Sprache kennen – und wann welche angemessen ist -, und wie digitale Werkzeuge Texte in Sekunden auf ein passendes Niveau bringen, Fachbegriffe erklären oder Lesehilfen ergänzen. Sie überarbeiten eigene Materialien und erleben, wie sehr Verständlichkeit eine Frage der Gestaltung ist, nicht des Inhalts. Leitend bleibt: Vereinfachen heißt zugänglich machen, nicht banalisieren.
Ihr Gewinn: Ihre Lehrkräfte erreichen Lernende, die bisher an der Sprache hängen blieben – und entdecken, dass klarere Texte allen nützen, nicht nur den Schwächsten. Sprachliche Barrieren sinken, ohne dass die fachlichen Ansprüche fallen.
3. Multisensorisch & multimodal lernen: mehr Sinne, mehr Zugänge
Workshop 3A:
Mehr als ein Sinn – multisensorisch lernen (und der Lerntyp-Mythos)
„Der ist eben ein visueller Typ“ – kaum eine Idee hält sich in Kollegien so hartnäckig wie die der Lerntypen. Das Problem: Sie ist wissenschaftlich längst widerlegt, und sie sortiert Lernende in Schubladen, die ihnen Wege verbauen, statt sie zu öffnen.
Im Workshop: Der Workshop räumt mit dem Lerntyp-Mythos auf und stellt den belegten Befund daneben: Nicht einzelne „Kanäle“, sondern die Verknüpfung mehrerer Sinne vertieft das Lernen – und zwar bei allen. Studien des Max-Planck-Instituts (die „Vimmi“-Experimente) zeigen, dass Lernende deutlich besser behalten, wenn sie Inhalte nicht nur hören, sondern zugleich sehen oder körperlich nachvollziehen. Auf dieser Basis – Dual Coding, Mayers Theorie des multimedialen Lernens, Cognitive Load – entwickeln die Lehrkräfte mit digitalen Werkzeugen wie Fobizz-Multimedia-Tools oder Napkin.ai Materialien, die mehrere Kanäle gezielt verbinden, ohne zu überfrachten.
Ihr Gewinn: Ihre Lehrkräfte ersetzen einen verbreiteten Mythos durch wirksame Praxis – und gestalten Material, das tieferes Verstehen in der ganzen Lerngruppe ermöglicht, nicht nur bei vermeintlichen „Typen“. Mehrkanalige, barrierearme Zugänge werden zum Normalfall statt zur Ausnahme.
Workshop 3B:
Zeigen, was man kann – multimodale Leistungsnachweise
Der klassische schriftliche Test misst nur einen schmalen Ausschnitt von Können – und benachteiligt systematisch alle, die sich schriftlich oder unter Zeitdruck schwertun. Mancher versteht den Stoff tief und scheitert trotzdem, weil das Format nicht zu ihm passt. Verstehen und Zeigen-Können sind zweierlei.
Im Workshop: Die Lehrkräfte lernen, Kompetenz über das geschriebene Wort hinaus sichtbar zu machen: Erklärvideo, Podcast, Infografik oder digitales Lerntagebuch als vollwertige Leistungsnachweise. Sie erstellen selbst ein kleines multimodales Produkt – oft mit dem iPad – und erleben, wie Lernende dabei zu Produzent:innen statt Konsument:innen werden. Im Zentrum steht die Frage, welche Kompetenz eine Aufgabe wirklich erfassen soll – und welches Format ihr gerecht wird, statt sie hinter einer Schreibhürde zu verstecken.
Ihr Gewinn: Ihre Lehrkräfte gewinnen Bewertungsformate, die echtes Können zeigen statt Schreibgeschwindigkeit – und erreichen Lernende, die im klassischen Test unter ihren Möglichkeiten bleiben. Aus Geprüften werden Gestaltende.
4. Assistive Werkzeuge & Barrierefreiheit: Brücken über die Hürde
Workshop 4A:
Kein Schummeln – assistive Werkzeuge als Brücke über die Barriere
Wenn ein Schüler sich den Text vorlesen lässt oder die Antwort diktiert, klingt schnell der Vorwurf mit: „Das ist doch geschummelt.“ Dahinter steckt ein Denkfehler – die Verwechslung von Lernziel und Zugangsweg. Wer einen Text verstehen soll, muss ihn nicht zwingend selbst entziffern.
Im Workshop: Die Lehrkräfte entdecken die assistiven Funktionen, die in iPad, Windows und Co. längst eingebaut sind – Vorlesen, Diktieren, Übersetzen, Wortvorschläge, Kontrast- und Lesehilfen -, ganz ohne Spezialbudget oder Sonderprogramme. Entscheidend ist die Leitfrage, die sie einüben: Ist die Hilfe ein legitimer Zugang zum Lernziel, oder ersetzt sie genau die Fertigkeit, die geübt werden soll? An eigenen Beispielen klären sie diese Unterscheidung – und erkennen, dass viele Hilfen, einmal verfügbar, der ganzen Klasse nützen, nicht nur einzelnen.
Ihr Gewinn: Ihre Lehrkräfte verfügen über einen Werkzeugkasten des Nachteilsausgleichs, der ohne zusätzliche Anschaffungen sofort einsatzbereit ist – und über die Sicherheit, ihn pädagogisch zu begründen, statt ihn als „Schummeln“ zu beargwöhnen. Jugendliche, für die Lesen oder Schreiben eine Dauerhürde ist, erhalten Zugang, ohne sich bloßgestellt zu fühlen.
Workshop 4B:
Material, das ankommt – barrierearm gestalten
Viel Unterrichtsmaterial baut Hürden ein, die niemand beabsichtigt: blasser Kontrast, ein eingescanntes Blatt, das keine Vorlesefunktion lesen kann, Bilder ohne Beschreibung, Videos ohne Untertitel. Wer darauf angewiesen ist, bleibt außen vor – und die wenigsten wissen, dass es an der Form liegt, nicht am Inhalt.
Im Workshop: Die Lehrkräfte lernen die wenigen Prinzipien, die Material für möglichst viele zugänglich machen: klare Struktur mit echten Überschriften, ausreichender Kontrast, lesbare Schrift, Alternativtexte für Bilder, Untertitel für Videos, durchsuchbare statt gescannte Dokumente. An einer kurzen Checkliste prüfen und überarbeiten sie eigenes Material – und stellen fest, wie wenig Aufwand große Wirkung hat. Leitend ist das Prinzip des universellen Designs: Was für einzelne nötig ist, ist für alle besser.
Ihr Gewinn: Ihre Lehrkräfte produzieren Material, das von vornherein mehr Lernende erreicht – lesbar für Vorleseprogramme, verständlich bei Seh- oder Höreinschränkung, klar für alle. Barrierefreiheit wird vom nachträglichen Sonderaufwand zur selbstverständlichen Gewohnheit beim Erstellen.
5. Diklusion in der Berufsvorbereitung: Teilhabe, wo sie zählt
Workshop 5A:
Die Brücke in den Beruf – digitale Teilhabe in der Berufsvorbereitung
In der Berufsvorbereitung bündeln sich die Hürden: gebrochene Bildungsbiografien, Misserfolgserfahrungen, Schrift- und Sprachbarrieren – und bei vielen die feste Überzeugung „Ich kann das sowieso nicht“. Digitale Werkzeuge können hier zwei Richtungen nehmen: die Kluft vergrößern oder sie schließen.
Im Workshop: Die Lehrkräfte führen die diklusiven Bausteine der vorangegangenen Felder im Setting der Berufsvorbereitung zusammen – assistive Hilfen, einfache Sprache, mehrkanalige Zugänge und gezielt eingesetzte KI, alle mit einem Ziel: Teilhabe. Anhand typischer AV-Dual-Situationen entwickeln sie niedrigschwellige Einstiege, die erste Erfolgserlebnisse ermöglichen, statt an der Schrifthürde zu scheitern. Leitend ist eine klare Haltung: Die Werkzeuge sollen den Einstieg eröffnen und Selbstwirksamkeit stärken, nicht die Eigenleistung ersetzen.
Ihr Gewinn: Jugendliche, die an Sprache und Schrift immer wieder gescheitert sind, erleben Zugänge, die funktionieren – und mit ihnen erste Erfolge statt der gewohnten Frustration. Ihre Lehrkräfte stärken Teilhabe und Selbstwirksamkeit genau bei den Lernenden, die beides am dringendsten brauchen.
Workshop 5B:
App-kompetent, aber nicht mündig – die digitale Kluft schließen
Fast alle Jugendlichen haben ein Smartphone – und trotzdem öffnet sich eine zweite, unsichtbare Kluft: zwischen denen, die digitale Werkzeuge zum Wischen und Streamen nutzen, und denen, die sie für Bewerbung, Ausbildung und Behördengänge beherrschen. Wer hier abgehängt ist, merkt es oft erst, wenn die Teilhabe schon scheitert.
Im Workshop: Die Lehrkräfte erarbeiten, wie sie Medienmündigkeit als Teilhabekompetenz vermitteln – über das reine Bedienen hinaus. Im Zentrum stehen die digitalen Anforderungen der Arbeitswelt und des Erwachsenenlebens: Online-Bewerbungsportale, digitale Formulare und Behördengänge, seriöse von unseriösen Quellen unterscheiden, der Umgang mit den eigenen Daten. Anhand konkreter Aufgaben üben die Jugendlichen die Handgriffe, die über Zugang oder Ausschluss entscheiden – vom Hochladen des Lebenslaufs bis zum Erkennen einer Fake-Stellenanzeige.
Ihr Gewinn: Ihre Lernenden gewinnen die digitale Mündigkeit, die heute zur Teilhabe an Ausbildung und Arbeitswelt schlicht vorausgesetzt wird – und die in keinem Lehrplan steht. Ihre Lehrkräfte schließen eine Lücke, die über berufliche Chancen mitentscheidet, lange bevor sie im Vorstellungsgespräch sichtbar wird.
Kontakt
Über den Button kommst Du zur Kontaktseite. Wir freuen uns auf Deine Anfrage und den gemeinsamen Austausch.

