Ausbildungsvorbereitung

Eine digitale Illustration im Synthwave-Stil, die eine einsame, dunkel schattierte Silhouette einer Person zeigt, die mit angezogenen Knien in einer leuchtenden, gläsernen Kugel sitzt. Die Kugel ist von feinen, hellen Rissen oder Blitzen durchzogen. Sie befindet sich im Zentrum einer dunklen, gitterartigen Landschaft mit neongelben, pinken und türkisfarbenen Lichtlinien, die wie Pfade am Boden verlaufen. Von links schlägt ein kräftiger, gelb-pinker Lichtstrahl direkt gegen die Kugel, während im Hintergrund abstrakte, dunkle Bergspitzen und vertikale Lichtstreifen zu sehen sind.

AVD – ein pädagogischer Raum, der Entwicklung wieder zulässt

Lesezeit: ca. 3 Minuten – Wörter: 848 Viele Jugendliche kommen in die Ausbildungsvorbereitung (Berufsvorbereitungsjahr in Hamburg) mit dem Gefühl, bereits gescheitert zu sein. Dieses Gefühl ist selten laut, selten offen formuliert. Es zeigt sich eher in Zurückhaltung, in Distanz, in vorsichtiger Verweigerung bis hin zur kompletten Resignation. Wer über längere Zeit erfahren hat, dass schulische Anstrengung wenig verändert, entwickelt Strategien des Rückzugs. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Schutz. In diesen Momenten wird schnell von fehlender Motivation gesprochen. Von mangelnder Lernbereitschaft, von Defiziten in Selbstorganisation oder Durchhaltevermögen. Doch diese Zuschreibungen greifen zu kurz. Studien zur Re-Engagement-Forschung zeigen, dass sich viele Jugendliche nicht aus Desinteresse vom Lernen abwenden, sondern als Reaktion auf Kontexte, in denen sie sich kontrolliert, überfordert oder dauerhaft erfolglos erleben. Rückzug ist dann kein Ausdruck von Gleichgültigkeit, sondern eine Form der Selbstbehauptung Motivation erscheint unter diesen Bedingungen nicht als innere Eigenschaft, sondern als Ergebnis von Erfahrungen. Edward Deci und Richard Ryan beschreiben Motivation als Folge erfüllter psychologischer Grundbedürfnisse: Autonomie, Kompetenz und soziale Eingebundenheit. Dort, wo Jugendliche erleben, dass ihr Handeln Wirkung hat, dass sie ernst genommen werden und Einfluss nehmen können, wird Lernen wieder möglich. Fehlen diese Erfahrungen, bleibt Motivation eine leere Forderung Beziehung vor Intervention Howard Adelman und Linda Taylor weisen in ihren Arbeiten zur Re-Engagement-Forschung darauf hin, dass viele Jugendliche sich nicht aus Desinteresse von Schule abwenden, sondern als Reaktion auf Überforderung, Kontrolle oder wiederholte Misserfolgserfahrungen. Disengagement ist häufig ein intelligenter Rückzug. Er schützt vor weiterer Kränkung, vor erneutem Scheitern, vor der Erfahrung, ohnehin nichts bewirken zu können. Re-Engagement beginnt deshalb nicht mit neuen Programmen oder Maßnahmen, sondern mit veränderten Beziehungen. Beziehung meint dabei mehr als Freundlichkeit oder Zuwendung. Gemeint ist eine pädagogische Grundhaltung, die Jugendlichen wieder zutraut, Einfluss zu nehmen und Bedeutung zu haben. Erst wenn junge Menschen erleben, dass ihre Perspektive zählt, dass sie nicht vorschnell festgelegt werden und dass ihr Verhalten als Ausdruck einer Geschichte gelesen wird, kann Lernen wieder anschlussfähig werden. Das AVD kann – und muss – ein solcher Ort sein. Nicht als Reparaturbetrieb für vermeintlich Gescheiterte, sondern als pädagogischer Gegenraum. Ein Raum, in dem Lernen nicht sofort bewertet, sondern zunächst ermöglicht wird. In dem Beziehungen verlässlich sind, Zuständigkeiten klar bleiben und Zeit eine Rolle spielen darf. Die Erfahrungen aus Projekten wie der Landungsbrücke Hamburg zeigen, dass Selbstwert nicht durch Zuspruch wächst, sondern durch Kontinuität, Ernstnehmen und echte Beteiligung. Beziehung als Voraussetzung von Kompetenz Vor diesem Hintergrund wird deutlich, warum überfachliche Kompetenzen nicht am Anfang stehen können. Selbstständigkeit, Durchhaltevermögen oder Lernstrategien lassen sich nicht verordnen und auch nicht unabhängig vom Kontext einüben. Sie entstehen dort, wo Jugendliche wieder Erfahrungen machen, die sie als wirksam, sinnvoll und anschlussfähig erleben. Ansätze wie das Growth Mindset können in diesem Zusammenhang hilfreich sein, wenn sie nicht als Technik zur Selbstoptimierung eingesetzt werden. Entscheidend ist nicht die Aufforderung, anders zu denken, sondern die Möglichkeit, sich anders zu erfahren. Erst reale Erfolgserlebnisse, die nicht sofort relativiert oder bewertet werden, eröffnen Spielräume für neue Selbstbilder. Beziehungsarbeit im AVD ist deshalb keine Ergänzung zum Fachunterricht, sondern seine Voraussetzung. Dort, wo Jugendliche ernst genommen werden, Verantwortung übernehmen dürfen und Fehler nicht als Beweis des Scheiterns gelten, entwickeln sich genau jene Kompetenzen, die später selbstverständlich eingefordert werden. Kompetenz entsteht hier nicht als Ziel, sondern als Folge einer Beziehung, die Entwicklung ermöglicht. AVD als pädagogischer Raum In der AVD verdichten sich viele der Erfahrungen, die bisher beschrieben wurden. Nicht, weil hier grundlegend anders gearbeitet wird, sondern weil Beziehung, Zeit und Aufmerksamkeit einen anderen Stellenwert bekommen. Lernen steht nicht unter dem unmittelbaren Druck, sich beweisen zu müssen, sondern darf sich wieder vorsichtig zeigen. Für manche Jugendliche ist das eine neue Erfahrung. Nicht im Sinne eines Neuanfangs, der alles Vorherige hinter sich lässt, sondern als Möglichkeit, das eigene Lernen noch einmal anders zu erleben. Ohne die ständige Frage, ob es reicht. Ohne den schnellen Vergleich. Ohne die permanente Erwartung, sich rechtfertigen zu müssen. Vielleicht liegt genau darin die besondere Qualität dieses pädagogischen Raums: dass er nichts erzwingt und nichts verspricht, sondern Bedingungen schafft, unter denen Jugendliche sich wieder zutrauen können, lernend zu sein. Nicht sofort. Nicht reibungslos. Aber Schritt für Schritt. Fazit Der Blick auf die AVD macht deutlich, dass Motivation, Selbstwert und Kompetenz eng miteinander verbunden sind und sich gegenseitig beeinflussen. Was Jugendliche hier zeigen – oder eben auch nicht zeigen -, hat meist weniger mit fehlenden Fähigkeiten zu tun als mit den Erfahrungen, die sie mit Lernen gemacht haben. Wer über längere Zeit erlebt hat, dass Anstrengung wenig verändert oder sogar beschämt, zieht sich irgendwann zurück. Nicht, weil er oder sie nicht könnte, sondern weil es sich sicherer anfühlt, nichts mehr zu riskieren. In diesem Zusammenhang wird Beziehung zu einem zentralen Dreh- und Angelpunkt. Nicht als pädagogische Zugabe, sondern als Grundlage dafür, dass Lernen wieder möglich wird. Dort, wo Jugendliche sich gesehen fühlen, ernst genommen werden und nicht sofort auf ihre Leistungen reduziert werden, kann langsam wieder Vertrauen entstehen. Erst auf dieser Basis wird Lernen wieder anschlussfähig – nicht als Pflicht, sondern als etwas, das man sich Schritt für Schritt wieder zutraut. Wenn dann überfachliche Kompetenzen im AVD sichtbar werden, dann bestenfalls nicht nur durch gezielte Trainings, sondern auch weil Jugendliche erneut erleben, dass ihr Handeln Bedeutung hat. Disskusionsanstoß Wann erleben Jugendliche in eurer Praxis zum ersten Mal wieder echte Selbstwirksamkeit? In welchen Situationen merkt ihr selbst, dass ihr von Jugendlichen etwas erwartet, obwohl ihr eigentlich spürt, dass ihnen dafür gerade Zeit, Sicherheit oder Beziehung fehlt? Welche Formen von Austausch, Impulsen oder gemeinsamer Reflexion könnten euch dabei unterstützen, Beziehungsarbeit und Growth-Mindset-Ansätze in der Ausbildungsvorbereitung weiterzuentwickeln? – Sprecht und gerne darauf an, und wir finden gemeinsam Lösungen und Formate Euch und Eure Schulen zu untersützen.

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Berufsorientierung, Blickwinkel, Mindset, Perspektive, , ,
Eine digitale Illustration aus der Ich-Perspektive (Point of View) hinter dem Lenkrad eines futuristischen Autos. Die Hände des Fahrers greifen das Lenkrad, das Armaturenbrett leuchtet in Blau und Pink. Vor dem Wagen erstreckt sich eine endlose Straße, die von leuchtenden Neonlinien gesäumt wird und direkt auf eine riesige, tiefstehende gelbe Sonne am Horizont zuführt. Links am Straßenrand steht eine Zapfsäule mit einer leuchtenden Glühbirne im Inneren, aus deren Schlauch Funken sprühen. Über der Windschutzscheibe hängt eine Ampel, deren mittleres Licht gelb leuchtet, gekrönt von einem schwebenden, blau-leuchtenden Chip-Symbol. Der Himmel ist dunkelviolett und mit geometrischen Lichtgitter-Strukturen und schwebenden Würfeln versehen.

Ausbildungsvorbereitung neu denken: Future Skills, Lernhaltung und der pädagogische Umgang mit KI

Lesezeit: ca. 10 Minuten – Wörter: 2.346 In den vergangenen Monaten ist es hier im Blog ruhiger geworden. Warum das so war, haben wir bereits im April 2025 angedeutet. Falk und ich haben bis Ende November intensiv an einem umfangreichen neuen Projekt gearbeitet, das wir in den kommenden Wochen ausführlich vorstellen werden. Die Zeit danach haben wir bewusst genutzt, um das Jahr ausklingen zu lassen – und um Luft zu holen für eine inhaltliche Klärung, die sich aus dieser Arbeit zunehmend ergeben hat. Der Start ins Jahr 2026 markiert dabei keine Neugründung und keinen Bruch mit dem, wofür bildungssprit bislang stand. Vielmehr geht es um eine bewusste Zuspitzung. Künftig werden wir uns deutlicher auf zwei pädagogische Schwerpunkte konzentrieren, die unser Denken und Handeln schon lange prägen: auf die Frage nach Lernhaltung – verstanden als entwicklungsorientiertes, wachstumsbezogenes Lernen – und auf den gezielten Aufbau überfachlicher Kompetenzen und Future Skills. Beides denken wir konsequent aus der Perspektive der Lernenden einer Schulform, in der wir nicht nur überwiegend, sondern auch mit pädagogischem Herzen arbeiten: der Ausbildungsvorbereitung, in anderen Bundesländern auch als Berufsvorbereitungsjahr bezeichnet. Für uns ist sie kein Randbereich des Systems, sondern ein zentraler Bildungsraum. Hier entscheidet sich, ob Lernen wieder möglich wird, ob Orientierung entsteht und ob berufliche Anschlussfähigkeit wachsen kann. Ein weiterer Bestandteil unserer Neuausrichtung soll für uns ebenfalls das stärkere Einbrungen in öffentliche Bildungsdiskurse sein und den Austausch über unterschiedliche Bildungsbubbles hinweg zu suchen – etwa auf LinkedIn oder im Fediverse. Gerade in meinem LinkedIn-Feed war das Thema KI in den vergangenen Wochen sehr präsent. In vielen Beiträgen, Kommentaren und Diskussionen wurde deutlich, wie stark KI derzeit den Bildungsdiskurs prägt. Anfang November durfte ich bei einer Fortbildung von Dr. Florian Walter (Referat Medienbildung I, Bereich KI) die Idee der KI-Ampel kennenlernen. Unter dem Titel »Fachwissen und KI – Lernen zwischen De-Skilling und Up-Skilling« stellte er unter anderem diese pädagogische Leitlinie vor. Vor diesem Hintergrund möchte ich mich mit diesem Beitrag bewusst in den aktuellen Bildungsdiskurs rund um KI einbringen. In den Bildungsbubbles, in denen ich mich bewege, wird intensiv und differenziert über KI gesprochen – auch über pädagogische Fragen, Lernprozesse und Verantwortung. Was jedoch oft nicht im Fokus des allgemeinen Austausches ist, sind die besonderen Lernbiografien und die spezifischen Anforderungen in der Ausbildungsvorbereitung. Ich nehme die KI-Ampel daher als Anlass, unsere beschriebenen inhaltlichen Schwerpunkten mit dem Einsatz von KI im Unterricht von Ausbildungsvorbereitung gezielt in den Diskurs zu setzen und zusammen zu denken. Warum Ausbildungsvorbereitung einen eigenen, vertieften pädagogischen Fokus braucht Ausbildungsvorbereitung ist kein nachgelagerter Reparaturraum des Schulsystems. Sie ist auch kein Bildungsgang, in dem Versäumtes schlicht aufgearbeitet oder Defizite verwaltet werden. Wer Ausbildungsvorbereitung aus dieser Perspektive betrachtet, übersieht ihre eigentliche pädagogische Bedeutung. Die zur Verfügung stehende Zeit ist begrenzt, die Lerngruppen sind hochgradig heterogen. Viele Jugendliche bringen Bildungsbiografien mit, die von Umwegen, Brüchen und Stolpersteinen geprägt sind – und zugleich von zahlreichen Baustellen außerhalb der Schule, die Lernen zusätzlich erschweren. Trotz aller Unterschiede verbindet viele eine gemeinsame Erfahrung: Lernen war über längere Zeit mit Misserfolg, Beschämung oder Rückzug verbunden. Entsprechend zeigt sich in der Ausbildungsvorbereitung oft nicht zuerst ein Mangel an Wissen, sondern ein Mangel an Vertrauen – in die eigene Lernfähigkeit, in das Bildungssystem und nicht selten auch in sich selbst. Viele Jugendliche haben Strategien entwickelt, um Anforderungen auszuweichen, statt sich ihnen zu stellen. Gerade deshalb ist Ausbildungsvorbereitung vor allem Übergangsarbeit. Hier entscheidet sich nicht primär, welche Inhalte noch vermittelt werden können, sondern ob junge Menschen wieder erfahren, dass Lernen gelingen kann. Zentrale Bedeutung kommt dabei den Beziehungen zu, die in diesem Bildungsgang entstehen. Studien zeigen, dass bereits eine tragfähige Beziehung zu einer einzelnen erwachsenen Bezugsperson das Engagement deutlich erhöhen und das Risiko des Abbruchs senken kann (vgl. Kettlewell et al., 2012). Lernende beschreiben insbesondere persönliche Begleitung, Orientierung und verlässliche Ansprechbarkeit als hilfreich für ihre Entwicklung. Ausbildungsvorbereitung wirkt dort, wo Vertrauen entsteht – als Grundlage dafür, sich wieder als handlungsfähig zu erleben, Verantwortung zu übernehmen und Anschluss an berufliche und gesellschaftliche Anforderungen zu finden. Übergänge verlangen andere Bildungslogiken In der Ausbildungsvorbereitung steht der Übergang in das berufliche System im Zentrum – und damit häufig auch ein erster, sehr konkreter Schritt ins Erwachsensein. Ausbildungsvorbereitung ist nicht nur Bildung, sondern immer auch Übergangsarbeit zwischen Schule, Beruf und eigenständiger Lebensführung. Vor diesem Hintergrund greifen die Logiken eines Regelunterrichts, wie es die Lernenden aus ihrer bisherigen Schulzeit kennen, nur begrenzt. Während allgemeine schulische Bildung häufig darauf ausgerichtet ist, Inhalte systematisch aufzubauen, Leistungen vergleichbar zu machen und Fortschritt über Stoffabdeckung zu messen, entscheidet sich im Übergang etwas anderes: ob Lernende überhaupt bereit und in der Lage sind, sich auf Anforderungen einzulassen. Fachlichkeit und Grundkenntnisse in den Hauptfächern bleiben dabei wichtig. Sie schaffen Zugänge und halten Anschlusswege offen. Sie können Übergänge aber nicht allein tragen, wenn sie zum einzigen Maßstab werden. Dort, wo der Unterricht stark an den klassischen Hauptfächern ausgerichtet ist, rücken schnell Defizite in den Vordergrund – und oft auch genau jene Erfahrungen von Scheitern, die viele Jugendliche aus ihrer bisherigen Schulzeit nur allzu gut kennen. Bildung im Übergang folgt daher einer anderen Priorisierung. Nicht die Frage, was noch fehlt, muss im Zentrum stehen, sondern was junge Menschen brauchen, um mit Unsicherheit, wechselnden Anforderungen und offenen Situationen umgehen zu können. Übergangsbildung zielt weniger auf Vollständigkeit als auf Handlungsfähigkeit. KI als Teil der Lebenswelt – Potenzial erkennen und Unterricht in der Ausbildungsvorbereitung öffnen KI gehört längst zum Alltag vieler Lernender. Sie wird genutzt, um Informationen zu finden, Texte zu formulieren oder Entscheidungen vorzubereiten. Für die meisten ist sie kein besonderes Werkzeug mehr, sondern Teil einer Lebenswelt, in der Schule, Arbeit und Alltag zunehmend ineinandergreifen. Für Lernende in der Ausbildungsvorbereitung bedeutet diese ständige Verfügbarkeit von Antworten jedoch nicht automatisch Entlastung. Wer über längere Zeit Unsicherheit, Scheitern oder Rückzug erlebt hat, greift häufig auf einfache Lösungen zurück, um sich vor weiterer Überforderung zu schützen. Zugleich fehlt oft die Erfahrung, eigene Entscheidungen zu treffen, Ergebnisse einzuordnen und Verantwortung für den eigenen Lernweg zu übernehmen. Gerade deshalb verschiebt sich der Bildungsauftrag – auch in der Ausbildungsvorbereitung. Wenn Antworten jederzeit verfügbar sind, wird nicht Wissen knapper, sondern die Fähigkeit,

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KI, Praxiserfahrung, ,
Drei Jugendliche stehen im Mittelpunkt der Illustration, fröhlich lächelnd und umgeben von Film-, Technik- und Medienobjekten wie Kamera, Filmklappe, Play-Symbol, Zahnrad, Notizen, Lupe und einem Mikroskop. Links hält eine Person mit rotem Haar und Brille eine Videokamera, in der Mitte steht eine Person mit Anzug und Krawatte, rechts eine Person mit dunkler Hautfarbe, Zöpfen und Schuluniform. Im Hintergrund sind weitere Köpfe und große Icons wie Pfeile, Kameraobjektive und Tools sichtbar.

Praktikumsauswertung als Video im Social‑Media‑Stil

Lesezeit: ca. 7 Minuten – Wörter: 1.627 Praktika werden in der Schule oft noch mit einer klassischen Mappe abgeschlossen: lineare Berichte, eingeklebte Fotos, Listen. Doch die Lebenswelt Jugendlicher spielt sich heute auf TikTok, Instagram und YouTube ab. Aus diesem Grund haben wir einen Moodle-OER-Kurs (samt die wichtigsten Materialien ebenfalls als PDF) entwickelt, welches den Schwerpunkt der Praktikumsdokumentation und -auswertung genau auf diese Formate liegt. Wir schlagen vor, die traditionelle Praktikumsmappe nicht einfach zu ersetzen, sondern sie zu transformieren: durch kurze, selbst produzierte Videos, die Reflexion und Medienpraxis miteinander verbinden. Die Schülerinnen und Schüler dokumentieren ihre Erfahrungen kreativ und authentisch in einem Format, das ihnen vertraut ist und in dem sie ihre Stimme finden. Didaktische Einbettung und Lernziele Für eine strukturierte Umsetzung stehen im begleitenden Moodle-Kurs gezielt entwickelte Aktivitäten zur Verfügung. Diese begleiten die Lernenden Schritt für Schritt bei der Erstellung der einzelnen Videoformate. EIn umfangreiches Glossar unterstützt im Kurs dabei, die Fachbegriffe zur Videoerstellung im Blick zu behalten.  Aus lerntheoretischer Sicht greifen hier mehrere bewährte Ansätze ineinander: Die Cognitive Theory of Multimedia Learning (Mayer) besagt, dass Informationen dann besonders effektiv aufgenommen und gespeichert werden, wenn sie gleichzeitig über visuelle und auditive Kanäle vermittelt werden. Die Videoaufgaben nutzen dieses Prinzip gezielt, indem sie Bildmaterial (z. B. Abläufe, Orte, Gegenstände) mit gesprochenem Kommentar, Text-Overlays und Musik kombinieren. So wird das Erlebte nicht nur dokumentiert, sondern multimedial verarbeitet und dadurch nachhaltiger gelernt. Konstruktivistische Modelle, wie sie Piaget und Bruner vertreten, betonen, dass Lernen ein aktiver Prozess ist, in dem sich die Lernenden ihre Erkenntnisse selbst erarbeiten. Genau das geschieht, wenn Jugendliche ihre eigenen Erfahrungen aus dem Praktikum auswählen, strukturieren, inszenieren und in Videos übersetzen. Sie handeln dabei als aktive Wissensproduzent*innen und bringen eigene Perspektiven ein, was das Verständnis vertieft und Individualisierung ermöglicht. Die Self-Determination Theory (Deci & Ryan) hebt hervor, dass Motivation dann besonders wirksam ist, wenn Lernende Autonomie, soziale Eingebundenheit und Kompetenz erleben. Die Erstellung eines Videos, das in einer vertrauten digitalen Umgebung (z. B. im Klassenraum oder auf einer Moodle-Seite) präsentiert oder sogar auf Social Media geteilt werden kann, stärkt genau diese Aspekte: Die Jugendlichen entscheiden selbst über Thema, Stil und Umsetzung, erleben sich als handlungsfähig und erhalten Rückmeldung von Gleichaltrigen und Lehrkräften. Vielfalt durch acht kreative Formate Um verschiedene Möglichkeiten der kreativen Videoerstellung zur Praktikumsdokumentation aufzuzeigen, bieten acht unterschiedliche Videoformate zur Auswahl, die sich an beliebten Social-Media-Stilen orientieren. So können die Lernenden ausgehend von ihren Stärken und Interessen ein passendes Format wählen: Typischer Arbeitstag – Vlog im Zeitraffer Das erste Format lehnt sich an das populäre „Day‑in‑my‑Life‑Vlog“ an, das auf Plattformen wie TikTok, Instagram Reels oder YouTube Shorts millionenfach geklickt wird. Lernende strukturieren ihren Tagesablauf in vier bis sechs Stationen – etwa Ankunft, eine Kernaufgabe, Pause, Abschluss. Charakteristisch sind Hyperlapse‑ und Timelapse‑Sequenzen, die Routinehandlungen visuell beschleunigen und so Aufmerksamkeit erzeugen. Kurze Selfie‑Moderationen und POV‑Einstellungen lassen das Publikum nah am Geschehen teilhaben und fördern Authentizität. Dieses Format eignet sich didaktisch, um Reflexions­fähigkeit (Was ist wirklich typisch?) und Storyboarding zu trainieren, während gleichzeitig technische Grundlagen wie Kamerabewegung und Schnittgeschwindigkeit geübt werden. Hinter den Kulissen – Mini Doku Bei der Mini‑Dokumentation geht es um einen dokumentarischen Kurzfilm, der häufig in Social‑Media‑BTS‑Reihen („Behind the Scenes“) auftaucht. Die Lernenden decken zwei oder drei „Secret Spots“ oder Produktionsschritte auf, die Außenstehende gewöhnlich nicht sehen. Weiche B‑Roll, neugieriger Off‑Kommentar und 5‑Sekunden‑O‑Töne erzeugen journalistische Glaubwürdigkeit bei gleichzeitig hoher. Schnittdichte Das Format schult Recherche‐ und Interviewfähigkeiten und eignet sich, um prozessuales Wissen mediengerecht aufzubereiten. Gängig ist die Veröffentlichung als TikTok‑Serie oder YouTube‑„Short Doc“. Jobinterview – 3 Fragen Talk Hier dominieren Talking‑Head‑Aufnahmen im Stil der viralen „3 Questions with…“‑Reels. Drei klar eingeblendete Fragen strukturieren das Gespräch, während Jump‑Cuts, aktives Zuhören und saubere Tonaufnahme den Proficharakter sichern. Das Format fördert Gesprächsführung, aktives Zuhören und nicht zuletzt Ton‑Bewusstsein. Es lässt sich kurz als Reel posten. Lehrkräfte können es nutzen, um Fragetechnik und Medienethik (Einverständnis) zu thematisieren. Recap – Reflexions Vlog Dieses Format kombiniert Highlight‑Montage und Voice‑over und entspricht den beliebten „Glow‑Up‑“ oder „That was my year“‑Clips. Lernende wählen drei Lernmomente, unterlegen sie mit emotionaler Musik und reflektieren im Off‑Text. Das fördert metakognitive Prozesse und stärkt die Fähigkeit, Lernfortschritte zu verbalisieren. Die kurzen Clips können gut in Schul‑Instagram-Kanälen, E‑Portfolios oder auf anderen  Moodlekursen eingebettet werden. Schritt für Schritt – Tutorial Das Tutorial ist ein klassisches „How‑To‑Short“. Vier bis sechs Schritte werden durch farbcodierte Titelkarten eingeführt, gefolgt von alternierenden Wide‑ und Close‑Ups, damit Betrachter jedes Detail nachvollziehen können. Safety‑Icons (⚠️) integrieren Arbeits‑ und Gesundheitsschutz. Dieses Format entspricht Micro‑Learning‑Clips auf TikTok DIY‑Kanälen und schult prozedurale Darstellungskompetenz, inklusive Visualisierung von Sicherheitshinweisen. Beruf im Steckbrief – Facts & Clips Hier entsteht ein Infotainment‑Reel, das Fakten in Snack‑Able‑Slides verpackt. Große Headlines, animierte Icons und kurze B‑Roll‑Einsprengsel vermitteln sechs oder mehr Keyfacts in höchstens 90 Sekunden. Dieses Format spiegelt gängige „Fact Dump“‑ oder „Did you know?“‑Reels und schult Informations­auswahl, Infodesign und Storytelling unter Zeitdruck. Ideal für Berufsorientierungs‑Instagram‑Kanäle oder Snapchat Spotlight. Betriebsvorstellung – Unternehmens Porträt Das Mini‑Imagevideo kombiniert Elemente eines klassischen Brand‑Stories mit Social‑Media‑Schnitt. Ein heroischer Außen‑ oder Drohnen‑Shot, Logo‑Animationen und Hochglanz‑Produktshots vermitteln Professionalität. Eine kurze Signature‑Quote stellt die Besonderheit des Betriebs heraus. Lehrkräfte können damit auch Themen wie Werbewirkung, Zielgruppen­ansprache und Corporate Design ansprechen. Plattformen: YouTube oder auch als längeres Reel. Mein Arbeitsplatz – Room /Desk Tour Dieses Format orientiert sich an den beliebten Desk‑Setup‑Tours auf YouTube und TikTok. Eine fließende Kamerafahrt präsentiert den Arbeitsplatz; Overlay‑Labels benennen Geräte, während Safety‑Tipps als Micro‑Learning erscheinen. Das schult räumliche Planung, Kamera­bewegung und data‑privacy‑Awareness (was darf man zeigen?). Veröffentlichbar als Reel oder kurzer YouTube‑Clip. Pädagogisch differenzieren mit zwei Bewertungsrastern Damit alle Jugendlichen von der Aufgabe profitieren, enthalten die Materialien zwei unterschiedliche Bewertungsraster: Das Raster „Medienkompetenz Plus“ richtet sich an Gruppen mit filmsprachlicher Vorerfahrung oder hoher Gestaltungsfreude. Das Raster „AV-Kompass“ ermöglicht eine niedrigschwellige Umsetzung für Klassen mit heterogenen Voraussetzungen. Beide Raster bewerten dieselben fünf Dimensionen – Inhalt, Technik, Organisation, Datenschutz und Reflexion – jedoch mit unterschiedlicher Tiefe und Komplexität. Beide Raster sowohl in PDF-Form als auch als interaktive Seite mit einer Punktezählfunktion im als Textseite im Moodlekurs vor.  Fazit Mit diesen offenen Bildungsmaterialien wollen wir die Berufsorientierung mit Medienbildung verbinden und Lehrkräften ein flexibel einsetzbares Werkzeug an die Hand geben.  Die Lernenden erleben ihre eigene

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Berufsorientierung, moodle, OER,
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